Darktable >= (RawTherapee + Picasa) ?

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Die Frage, die hinter diesem mathematisch anmutenden Titel steht, ist:

Kann Darktable die Stelle(n) von RawTherapee und Picasa in meinem Foto-Workflow einnehmen?

Es geht wohlgemerkt nicht darum, die Programme akribisch und Detail für Detail zu vergleichen. Ich versuche lediglich, meine Bedürfnisse, die ich bisher (wenn auch nicht mehr vollständig) mit RawTherapee und Picasa lösen konnte, nun mit Darktable zu lösen.

Dazu sei zunächst einmal gesagt: ich bin Hobby-Fotograf – kein Profi, aber auch kein „Knipser“. Und natürlich lasse ich meine Kamera ausschließlich im RAW-Format aufnehmen.

Grob gesagt versuche ich, folgende Funktionalitäten zu verschieben:

  • RAW-Konvertierung: natürlich geht es zunächst darum, die RAW-Bilder zu „entwickeln“. Und natürlich kann das Darktable auch. Finde ich dort aber alle Einstellungen wieder, die ich so benötige? Also: eine komfortable Belichtungsanpassung, farbliche Korrekturmöglichkeiten, Rauschfilter, Schärfefunktionen, usw.
  • Organisation: Picasa benutze ich größtenteils für die Organisation meiner Bilder. Bis jetzt habe ich alle Bilder in einer Verzeichnisstruktur abgelegt, die zunächst pro Jahr einen Ordner führt (also z.B. 2011) und darunter dann pro Monat wiederum einen Ordner (z.B. 2011-01, 2011-02, usw.). So habe ich in Picasa zunächst eine grobe Einordnung der Bilder pro Monat. Anschließend bekommen die Bilder Tags und Beschreibungen, teils auch Personen-Zuordnungen.
  • Eigentlich habe ich auch alle meine Bilder mit Geotags versehen. Allerdings habe ich da mittlerweile auch so meine Probleme. Aber das werde ich gleich noch im Detail erzählen.

Die Picasa-Zwickmühle

Vielleicht fragt ihr euch, warum ich den Vergleich überhaupt anstellen möchte bzw. warum ich meine gewohnten Programme überhaupt ersetzen möchte…

Picasa hat mir als „Foto-Datenbank“ immer sehr gut gefallen. Unter Linux sehe ich mich dabei allerdings in einer Zwickmühle: einerseits würde ich das Programm gerne weiterbenutzen, andererseits…

  • … wird die „Linux-Version“ von Picasa wohl nicht mehr oder zumindest nicht mehr regelmäßig gepflegt. Ich kann mir also höchstens eine veraltete Version installieren. Der Funktionsumfang reicht für mich sicher aus, aber ich setze so auf ein Programm, das in der Form vielleicht mittelfristig stirbt.
  • Ok, dann kann ich natürlich Picasa unter WINE installieren. Funktioniert so weit auch. Allerdings gibt es da etwas, was mich daran ordentlich stört: zum einen startet die Anwendung immer maximiert, und zwar so, dass die Titelleiste unter dem Gnome-Panel verschwindet (bei Unity mit Global Menubar zumindest). Mausklicks nimmt das Programm dann immer an falscher Position (verschoben) auf. Käse! Zum anderen kopiere ich mir ab und zu Bilder aus Picasa an eine andere Stelle im Filesystem. Dazu benutze ich den Menüpunkt Auf Datenträger suchen im Kontextmenü. Dabei geht aber bei der WINE-Variante der WINE-Explorer auf. Kopieren auf einen Bereich im Linux-Dateisystem? Fehlanzeige! (zumindest nicht auf diesem Wege…)
  • Was mich außerdem stört: ich kann meine Bilder nicht mehr aus Picasa heraus in Google Earth geotaggen. Aber das scheint wohl so oder so unter Linux ein Problem zu sein – mit den Google-Produkten.

RAW-Konvertierung in Darktable

Auf den ersten Blick habe ich den Funktionsumfang im Dunkelkammer-Modus von Darktable etwas dürftig gefunden. Allerdings nur solange, bis ich den Button weitere Module (unten rechts) gefunden habe. Darüber lassen sich viele Module aktivieren, die per Default zunächst einmal nicht sichtbar sind. Und siehe da: plötzlich war der Funktionsumfang begeisternd groß. :)

Nach etwas Orientierung und Eingewöhnung muss ich sagen, dass mir der Dunkelkammer-Modus fast sogar besser gefällt, als die Bearbeitung in RawTherapee:

  • Ausrichtung und Zuschneidung des Bildes habe ich bisher immer nach der RAW-Konvertierung in GIMP vorgenommen. Nicht weil es nicht ging, sondern weil mir das in RawTherapee nicht so wirklich zugesagt hat.
  • Auch finde ich das Modul Vignettierung sehr gut umgesetzt.
  • Toll auch das Modul für die Körnung – wobei ich da fotografisch gesehen jetzt nicht unbedingt der Fan dafür bin.

Um es jetzt nicht allzu sehr in die Länge zu ziehen: der Funktionsumfang ist für meine Bedürfnisse absolut ausreichend. Darktable bietet sogar die ein oder andere für mich passende Funktion zusätzlich.

Allerdings gibt es auch noch einen Haken:

  • Ich habe es bisher noch nicht hinbekommen, ein Bild im Zuge der RAW-Konvertierung als JPEG (oder in einem sonstigen Format) direkt in GIMP zu öffnen. Das Bild muss immer erst einmal gespeichert und dann manuell geöffnet werden. Schade.

Das läuft in RawTherapee besser. Dazu ist aber zu sagen, dass die Funktion dort auch nicht reibungslos abläuft. Zwar wird das Bild in GIMP geöffnet, allerdings wird es als TIFF übergeben und verliert wohl dadurch die EXIF-Informationen. Diese habe ich mir übrigens immer mit dem ExifTool aus der RAW-Datei in das fertige JPEG-Bild übernommen:

exiftool -tagsFromFile Bild.orf Bild.jpg

Dazu muss nur das Paket libimage-exiftool-perl installiert werden. Damit ich das Tool nicht für jedes Bild einzeln aufrufen muss, habe ich mir da ein kleines Shellskript gebaselt…

Bilder-Organisation mit Darktable

Ein bißchen Umgewöhnung und Umstellung wird es mir wohl abverlangen, mit meiner Organisation auf Darktable umzusteigen.

  • Bisher habe ich immer nur die Bilder in den jeweilgen Monats-Ordner verschoben und Picasa hat die Fotos dann beim nächsten Start automatisch aufgenommen.
  • Bei Darktable geht man wohl davon aus, dass man pro Foto-Session einen Ordner erstellt und somit jeden „Film“ einzeln in die Datenbank importiert.
  • Eine Geotagging-Funktion sucht man bislang vergebens. Ich denke, ich werde hierzu, wenn überhaupt, auf externe Tools zurückgreifen müssen. Bislang habe ich aber auch noch nichts gefunden, was mich bezüglich Usability so zufriedenstellt, wie Picasa + Google Earth.
  • Das Taggen von Fotos funktioniert ganz gut. Eine Gesichtserkennung bzw. Personen-Zuweisung sucht man zwar vergebens, das war für mich aber auch eher nur Spielerei und absolut nicht notwendig. Wenn man will, kann man ja die Namen als Tag angeben.

Aber ich sehe auch reine Vorteile im Umstieg:

  • Darktable versieht die RAW-Bilder automatisch mit einem RAW-Tag (das RAW-Format heißt bei mir .orf und der Tag somit darktable|format|orf) und die JPEG-Versionen der Bilder mit einem entsprechenden anderen Tag (darktable|format|jpeg). So kann man Suchergebnisse schnell und einfach in RAW- und endgültiges Format aufteilen.
    Ich habe bislang nicht alle RAW-Bilder aufgehoben – nur die von „wichtigen“ Bildern – aber das würde sich mit Darktable vielleicht in Zukunft ändern.
  • Man kann in Darktable wunderbar selektieren. Auf Datum, Filmrolle, Titel und Tags und einige andere „Felder“. Außerdem können mehrere Selektionskriterien eingegeben und diese mit logischem AND, OR oder XOR verknüpft werden. So etwas liebt ein Software-Entwickler wie ich natürlich… 😉

Übrigens benutze ich teils auch den Upload in Online-Alben bei Picasa. Diese Funktion bietet aber Darktable genauso (außerdem nun wirklich kein K.O.-Kriterium)…

Oder vielleicht doch Bibble (Lite)?

Zu dem Thema möchte ich nur so viel schreiben: ich habe die Testversion von Bibble Lite ein paar Tage ausprobiert. Was dabei natürlich sofort auffällt: verglichen mit den anderen Programmen ist Bibble extrem schneller. Allerdings habe ich für mich das Fazit gezogen, dass ich nicht so gut mit den Einstellungen der RAW-Konvertierung zurecht komme. Zudem müsste ich ja für Bibble auch noch etwas Geld in die Hand nehmen…

Fazit

Was die RAW-Konvertierung angeht, kann ich sehr gut, wenn nicht sogar besser, mit Darktable leben. Ich hatte diesbezüglich keine Probleme mit RawTherapee, aber Darktable gefällt mir da sogar einen Tick besser.

Bei der Bilder-Organisation sieht es ein bisschen anders aus. Eigentlich wäre ich mit Picasa zufrieden, würde ich Picasa wie ein Windows-User benutzen können. Dagegen sehe ich noch etwas Probleme mit der Umstellung auf Darktable auf mich zukommen.
Ich möchte aber trotzdem einen Langzeit-Test starten und meine Fotos nun mit Darktable organisieren. Kann auch sein, dass dieser Test scheitern wird. Mal sehen. Falls es etwas zu berichten gibt, werde ich darüber schreiben.

Wer übrigens Lust hat, kann ja mal in meinem Flickr-Photostream vorbeischauen. :)


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3 Kommentare zu Darktable >= (RawTherapee + Picasa) ?

  1. Kommentar von Kurt
    14. Januar 2012, 23:44 Uhr.

    Ich verwende XnView zur Organisation von Fotos. Gefällt mir weil es eine hierarchische Einteilung hat.
    Das Problem bei der Umstellung von Picasa zu einem anderen Programm sehe ich hier: Wie portiert man die Klassifizierungen, Gruppierung oder Einteilung von Fotos von einem Programm in das andere? Ein Vergleich: Bei Datenbanken gibt es (mehr oder weniger gute) Import/Export Schnittstellen, bei Picasa, XnView usw. gibt es so was nicht.
    Wie ich verstehe, ist deine Einteilung relativ einfach und automatisiert: Datum und Ort.
    Ich habe Hierarchische Strukturen wobei Fotos in mehreren Zweigen gleichzeitig sein können. Wie soll ich das in ein anderes Programm portieren? Ich hoffe mal (naiv), dass ich das nicht machen muss :-)

    • Kommentar von Gerald
      15. Januar 2012, 08:02 Uhr.

      Ich organisiere meine Fotos im Dateisystem zunächst einmal nur in Verzeichnissen mit Jahr/Monat-Namen, so dass ich eine grobe, zeitliche Einteilung habe.
      Trotzdem habe ich in Picasa jedes Foto mit einem Namen, einem Geotag und verschiedenen Tags versehen. Das wichtigste sind mir die Tags, nach denen man in Picasa ja schnell suchen bzw. eingrenzen kann.
      Ein Programm mit dem ich vergleichbar gut arbeiten kann, wie mit Picasa habe ich leider immer noch nicht gefunden.
      Gruß, Gerald

      P.S.: … eins noch: m.E. macht es keinen Sinn ein Foto in zwei Verzeichnissen liegen zu haben (hab ich dich da richtig verstanden?). Dazu gibt es ja die Möglichkeit Fotos zu taggen.

  2. Pingback: Darktable 1.1 | ME and my U

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