Tonstudio, Folge 2 – Softwaresynthesizer ZynAddSubFX bzw. Yoshimi

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Nach bzw. neben Bristol beeindrucken m.E. vor allem die Klänge des Softwaresynthesizers ZynAddSubFX, der in einer Variante in der Ubuntu Studio Distribution standardmäßig vorinstalliert ist.

ZynAddSubFX oder Yoshimi?

ZynAddSubFx

Die beiden Programme sehen recht ähnlich aus. Das liegt daran, dass Yoshimi ein Branch von ZynAddSubFX ist.

Für mich liegt der Hauptunterschied darin, dass Yoshimi (bei mir) nur Jack-MIDI-Verbindungen zulässt, während ZynAddSubFX sowohl Jack- als auch ALSA-MIDI-Verbindungen unterstützt. Laut Konfigurationsdialog sollte auch Yoshimi MIDI-Verbindungen per ALSA bieten, aber ich finde bei gestartetem Programm keinen entsprechenden MIDI-Eingang. Da ich im Normalfall ALSA-MIDI benutze, habe ich also im Normalfall ZyAddSubFX im Einsatz, mit dem ich die MIDI-Verbindung hergestellen kann.

Daneben finde ich nur kleine Differenzen. Die Oberfläche von Yoshimi sieht etwas aufgeräumter aus – man muss aber sagen, dass beide GUIs nicht wirklich ansprechend aufgebaut sind. Außerdem habe ich bei Yoshimi eine Instrumenten-Kategorie namens „Chip“ gefunden, die mir bei ZynAddSubFX nicht angeboten wird.

Beide Synthies können ganz einfach über die Standard-Paketquellen (universe) installiert werden, mit:

sudo apt-get install yoshimi

bzw.

sudo apt-get install zynaddsubfx

Yoshimi ist sogar, wie schon erwähnt, in Ubuntu Studio bereits enthalten.

Instrumente und Effekte

Die Sounds sind faszinierend und laden zum ausgiebigen Spielen ein. Beide Synthies bieten zahlreiche „Instrumente“, geordnet in rund 20 Kategorien an. Wer noch mehr will, findet hier und da im Netz weitere Instrumente in Form von .xiz-Dateien. Da gibt es zum Beispiel sieben tolle Instrument-Dateien auf einer Seite ohne Namen. Und im KVR Audio Forum findet man viele weitere Sounds – hier muss man sich allerdings registrieren, um die Dateien herunterladen zu können.

Teils findet man anstatt der .xiz-Dateien auch Dateien mit der Endung .xmz – das sind dann keine einzelnen Instrumente, sondern ganze Instrumenten-Bänke.

Im Synthesizer können auch eine Reihe von Effekten, auch parallel, eingesetzt werden. So stehen Reverb, Echo, Chorus, Phaser, AlienWah, Distortion, EQ und ein DynFilter zur Auswahl und liefern gute Ergebnisse.

Als kleinen Vorgeschmack habe ich mal ein paar Sounds aufgezeichnet und bei Soundcloud hochgeladen. Hier das Ergebnis:

Ich habe die Sounds jeweils ohne großen Aufwand erzeugt – einfach das Instrument ausgewählt und (eher wahllos) ein paar Tasten des Keyboards bedient. Soll heißen: mit minimalstem Aufwand lassen sich, wie ich finde, geniale Klänge herausbringen.

Und warum „Synthie“?

Die bisherige Beschreibung liest sich eigentlich eher wie ein Set an Instrumenten, die über MIDI gesteuert werden können. Dabei ist ZynAddSubFX tatsächlich ein Echtzeit-Synthesizer. Wer möchte, verändert die vorhandenen Instrumente einfach im Synthesizer-Editor – oder entwirft sogar von Grund auf eigene Sounds (beides funktioniert über den Button Edit instrument).

Der Synthesizer baut sich dabei aus drei Teilen (die einzeln aktiviert und deaktiviert und so auch kombiniert werden können) zusammen. In aller Kürze (ich bin hier nicht wirklich ein Kenner):

  • ADsynth (oder auch ADnote) – ein umfangreicher Klangerzeuger, der über mehrere Stimmen Töne erzeugt. Für jede Stimme können einzeln LFO, Filter, Modulation, Resonanz usw. eingestellt werden.
  • SUBsynth (oder auch SUBnote) – erzeugt Töne durch Subtraktion von Obertönen von weißem Rauschen (ich hoffe, ich habe das richtig übersetzt).
  • PADsynth (oder auch PADnote) – ein Erzeuger im speziellen für Pads (Hintergrund-/Atmosphäre-Klänge mit starkem Sustain).
Zudem interessant: es können mehrere Ton-Abschnitte und für jeden ein eigenes Instrument definiert werden. So kann beispielsweise die eine Hälfte der Keyboard-Tastatur mit einem Streicher belegt werden und die andere mit einer Lead-Gitarre (das Stichwort dazu heißt multitimbral – es können mehrere Instrumente gleichzeitig gespielt werden).

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7 Kommentare zu Tonstudio, Folge 2 – Softwaresynthesizer ZynAddSubFX bzw. Yoshimi

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  4. Kommentar von Knaeby
    27. Februar 2015, 11:30 Uhr.

    Hallo, bin ich hier auch mit einer Frage richtig?
    Wie kann ich Veränderungen in beiden Synthis so vornehmen dass ich sie wieder abrufen kann.
    Z.B. ich habe mir eine bestimmte Instrumenten Liste angelegt, Midi 1 Flöte Midi 2 Oboe……… usw mit Veänderungen an den jeweiligen Instrumenten. Wie speichere ich diese Liste als Vorlage, damit sie genau so aufgerufen wird wie ich sie konfiguriert habe. Grüße Knaeby

    • Kommentar von Gerald
      27. Februar 2015, 11:41 Uhr.

      Schau mal hier, unter Punkt 3.12 –> Instrument Banks –> Save Bank… Ob da aber auch die Veränderungen an den Instrumenten mit gespeichert werden… ?!
      Gruß, Gerald

  5. Kommentar von Nona
    18. Dezember 2015, 23:39 Uhr.

    yoshimi läuft hier (Kubuntu 15.04) mit ALSA folgendermaßen: $ yoshimi -a -A

    Vielen Dank für die sehr interessante Artikelserie :)

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