Calibre: Kostenlose News auf dem Kindle

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Heute möchte ich euch die Anwendung Calibre (calibre-ebook.com) vorstellen, die man für die folgenden Einsatz-Zwecke gebrauchen kann:

  • Verwaltung von E-Books und E-Papers
  • Konvertierung von E-Books/E-Papers (verschiedene Formate, darunter EPUB und MOBI)
  • Abrufen von Nachrichten aus dem Internet und Aufbereitung dieser als E-Paper
  • Übertragung der Medien auf den E-Reader

Genauer gesagt soll es heute erst einmal nur darum gehen, wie im Internet kostenlos angebotener Content zum Lesen auf einem E-Reader mit der Anwendung Calibre als E-Paper aufbereitet werden kann. Der angesprochene Content stammt dabei von bekannten Zeitungen wie Süddeutsche Zeitung, Die Zeit oder auch dem Spiegel. Oder von Zeitungen aus der ganzen Welt.

Informationen zur Hardware

Aber vielleicht erst einmal eine kurze Erklärung, warum ich überhaupt einen E-Reader besitze – und warum es gerade ein Amazon Kindle geworden ist. Keine Angst, ich will hier keine Werbung für das Gerät machen (obwohl der Text zugegebenermaßen auch als solches ausgelegt werden kann). Ich habe mir das Gerät auf normalem Weg gekauft und möchte lediglich meine Erfahrungen mitteilen. Auch will ich nicht allzu lange über das Gerät als solches schreiben. Und außerdem gibt es auch Argumente gegen den Kindle, die, wie ich finde, auch schwer wiegen und mich fast dazu bewegt haben, den Sony Reader zu kaufen.

Wozu einen E-Reader?

Ich denke, man muss sich einmal einen E-Reader angesehen haben. Und nicht nur das. Man muss sich auch einmal klar machen, was damit möglich ist (und genau das sollen die Calibre-Artikel hier ja bringen).
Danach liegen die Argumente wohl auf der Hand:

  • Angenehmes Lesen: die E-Ink-Displays der Lesegeräte lesen sich ähnlich gut, wie bedrucktes Papier. Sie haben keine Beleuchtung. Die Schrift ist richtig scharf. Dargestellt werden nur Graustufen.
  • Man hat eine ganze Büchersammlung in einem kleinen Gerät (das Kindle misst ungefähr 19 x 12 x 0,5 cm).
  • Hören ist, je nach Gerät, auch möglich: MP3 und Hörbücher (Audible-Format).
  • Aktuelle Nachrichten nicht am PC lesen, sondern gemütlich und augenschonend auf dem Sofa.
  • Lange Akku-Laufzeiten (da das E-Ink-Display nur dann Strom benötigt, wenn der Bildschirminhalt verändert wird – also z.B. beim Umblättern).
  • Je nach Gerät, kann man einzelne Wörter direkt im Duden oder im Wörterbuch nachschlagen.

Warum den Kindle?

Ok, nun erst einmal die Gründe, warum es für mich letztendlich ein Kindle sein sollte:

  • Aktuelles Gerät zum günstigen Preis (verglichen zu anderen Geräten, die für mich in Betracht kamen).
  • Inkl. WLAN.
  • Angenehmes Bücher-Shoppen bei Amazon.
  • Das Anzeige auf dem E-Ink-Display ist glasklar. Der Sony Reader soll von dieser Klarheit etwas eingebüßt haben, weil er einen Touchscreen besitzt (weil über das Display irgendwie noch eine Schicht für das Touchscreen gelegt ist, oder so). Wobei ich denke, dass der Unterschied sicher eher minimal ist…

Warum nicht den Kindle?

Und schließlich die Gegenargumente:

  • Zunächst der schwerwiegende Grund, der einen Kauf des Kindles in meinem Fall fast verhindert hätte: der Kindle unterstützt das EPUB-Format (ein offener Standard für E-Books) nicht – was ich ehrlich gesagt, so richtig bescheuert finde. Stattdessen pusht Amazon sein eigenes Format AZW, das natürlich kein andere E-Reader versteht.
    Viele Bibliotheken (die aus der richtigen Welt :)) bieten übrigens mittlerweile auch E-Books zum Ausleihen an. Diese kommen aber normalerweise im EPUB-Format und sind mit DRM-Schutz versehen, so dass sie nach einiger Zeit automatisch unbrauchbar werden. EPUB-Dateien können zwar in das vom Kindle ebenfalls unterstützte MOBI-Format konvertiert werden. Bei DRM-geschützten Dateien muss dazu aber illegalerweise erst einmal der DRM-Schutz geknackt werden (was, so weit ich gelesen habe, wohl geht – trotzdem ist das nicht Sinn der Sache).
  • Auch den Preis kann man negativ sehen, wird das Gerät in den USA doch zum gleichen Betrag – nur mit anderem Währungskennzeichen – verkauft.
  • Übrigens gibt es bei uns derzeit (Stand Mai 2011) nur die englische Version des Geräts. Mit englisch-sprachiger Tastatur (Y und Z vertauscht) und englisch-sprachiger Menüführung. Letzteres wird hoffentlich irgendwann einmal mit einem Firmware-Update geändert…

Installation von Calibre

Kommen wir zur Software. Wie so oft, ist die Installation schnell getan. Man findet die Anwendung im Software-Center oder installiert sie über die Paketverwaltung so:

sudo apt-get install calibre

Der erste Eindruck ist übrigens vielleicht etwas seltsam. Ich finde, man sollte die GUI der Anwendung etwas mehr am „Standard“ orientieren. Aber keine Angst: das Programm kann was. 😉

Kostenlose News beziehen

Calibre Nachrichten-Download

Calibre Nachrichten-Download

Wie der Titel des Artikels besagt, wollen wir zunächst einmal dafür sorgen, dass wir regelmäßig News beziehen und auf dem E-Reader lesen können.

Dazu gibt es in der Symbolleiste der Anwendung das Symbol für Nachrichten abrufen und daneben einen kleinen Pfeil der ein Drop-Down-Menü signalisiert. In diesem Menü findet man dann den Menüpunkt Zeitgesteuerter Nachrichten-Download.

Wählt man diesen an, erscheint der gleichnamige Dialog zur Konfiguration der Nachrichten-Downloads. Calibre bringt etliche sog. Download-Schemata schon mit, von dem jedes die Artikel einer bestimmten Nachrichten-Seite abgreift und aufbereitet. Diese Download-Schemata sind übrigens nichts weiter als kleine Python-Skripts, die von Leuten mit Kenntnissen der Sprache und der Funktionsweise der Schemata auch selbst angepasst und entwickelt werden können.

Die Standard-Download-Schemata sind nach Sprachen gruppiert. Die „abonnierten“ Downloads werden ganz oben in der Gruppe Geplant angezeigt.

Nun sucht man sich also die gewünschten Schemata aus. Für jedes einzelne gibt man dann vor, wann bzw. wie oft die Nachrichten von der jeweiligen Seite abgerufen werden sollen. Einige der Schemata greifen übrigens Paid-Content ab und benötigen dazu Benutzername und Kennwort – die müsst ihr also ignorieren, wenn ihr kein Abonnent der jeweiligen Zeitung bzw. News-Seite seid.

Für mich habe ich außerdem die Einstellung Lösche Nachrichten älter als auf 3 Tage gesetzt, damit nicht so viele Daten auflaufen und das Ganze nicht unübersichtlich wird. Die Einstellung gilt global für alle Schemata.

Nachdem man mit der Auswahl fertig ist, sorgt Calibre nun dafür, dass immer die aktuellen Artikel heruntergeladen werden. Sind neue Artikel angekommen, schließe ich den Kindle per USB-Kabel an und Calibre überträgt die E-Paper auf das Gerät. Wenn ich das richtig verstanden habe, kostet die Übertragung von Dokumenten per Mail an den Kindle Gebühren (deren Höhe ich nicht wirklich kenne). Ich spare mir das. (siehe Update 2 unten!) Aber wer will kann wohl auch auf diesem Wege die E-Papers übertragen lassen (ich habe das selbst eben nie ausprobiert).

Übrigens kann ich bis jetzt die folgenden Schemata empfehlen:

  • Süddeutsche Zeitung
  • Die Zeit
  • Der Spiegel – hier fehlt leider die Aufteilung in die Resorts.
  • NZZ (Neue Zürcher Zeitung)

Mehr habe ich mir noch nicht zu Gemüte geführt. Aber ich werde mir sicherlich demnächst auch ein paar fremdsprachige News abonnieren.

Zum Schluss möchte ich euch (wie so oft) noch den Calibre-Eintrag im ubuntuusers-Wiki empfehlen. Dort findet ihr eine Kompatibilitätsliste usw.

Gut. So viel dazu. Ich hoffe, ich habe erst einmal das Wichtigste rund um das Thema beschrieben. Ansonsten bin ich natürlich auch für Anregungen und eure Tipps & Tricks dankbar. Weitere Calibre-Artikel sind in Planung. Bald also mehr davon…

Update: gerade habe ich gesehen, dass Johnny Haeusler auf seinem Blog Spreeblick gerade einen ausführlichen Testbericht über den Kindle geschrieben hat…

Update 2: die Übertragung per Mail geht wohl auch kostenlos. Ich werde mir das mal genauer ausprobieren und dann sicher in einem der kommenden Artikel beschreiben.


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10 Kommentare zu Calibre: Kostenlose News auf dem Kindle

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  3. Kommentar von Roman
    30. Mai 2011, 10:33 Uhr.

    Hi,
    danke für die guten Kindle Berichte.

    Bin zur Zeit auch am überlegen, ob ich mir den Kindle (mangels guter Alternativen) holen soll.
    In erster Linie würde ich auch Feeds und vor allem PDFs (Vorlesungsfolien, Skripte, Bücher in PDF Forum) für die Uni darauf lesen wollen.

    Sag mal wird der Kindle jedesmal geladen, wenn er per USB am PC verbunden ist?

    Hintergund: Die Lithium-Akkus haben meines Wissens nach eine begrenzte Ladezyklenanzahl. Das wäre also falls er jedesmal beim Verbinden per USB geladen wird gerade als Feedreader in meinen Augen problematisch.

    gruß

    • Kommentar von Gerald
      30. Mai 2011, 10:44 Uhr.

      Hi Roman,
      Zu deiner Frage: wenn man das Gerät per USB verbindet, zeigt das Display, meine ich, an, dass erst geladen wird, wenn man den Kindle im System auswirft.
      Aber du kannst dir die Dokumente auch per Mail zusenden – so brauchst du den Kindle nur noch zum Laden anstöpseln. Und: das geht auch kostenlos.
      Du kannst dich gerne noch mal melden, wenn du noch was wissen willst bzw. noch etwas unklar ist…
      Gruß, Gerald
      P.S.: danke für die Blumen. Da mich das Thema selbst auch noch stark bewegt, dürfte noch der ein oder andere Artikel folgen.

  4. Kommentar von Roman
    30. Mai 2011, 13:09 Uhr.

    Oha bist ja sau schnell hier 😀

    Wie genau funktioniert das dann mit dem (kostenlos) zuschicken?

    Du hast ja auch nur die Wlan Version. Muss man den Kindle mit dem Wlanrouter verbinden und das ganze dann über die Amazon-Free-eMail-Adresse schicken? Oder kann man direkt eine Verbindung mittels Wlan zum z.B. Laptop herstellen?

    Ach und zu den PDFs: Hast du vielleicht schon die Funktion ausprobiert? Mich würde speziell interessieren, wie er mit großen Dateien (so 20MB) umgeht, was jetzt Ladezeiten angeht und ob er anspruchsvollere PDFs korrekt anzeigen kann (also mit Grafiken etc., die kriegen wir an der Uni meist aus PowerPoint-Dateien exportiert).

    Wird er eigentlich als Massstorage, wie ein USB-Stick, bei dir unter Linux erkannt? Oder braucht man unbedingt Calibre?

    Noch mal danke für die schnelle Antwort.

    gruß, roman

    • Kommentar von Gerald
      30. Mai 2011, 13:19 Uhr.

      Genau, du verbindest den Kindle mit deinem WLAN-Router und schickst das Dokument an die …@free.kindle.com-Adresse. Allerdings konvertiert Amazon dann, glaube ich, die Dateien nicht. Dafür gibt es die kostenpflichtige …@kindle.com-Adresse. Hab‘ damit aber keinerlei Erfahrung.
      Zu großen PDFs kann ich nicht wirklich was sagen. PDFs anschauen ist aber wohl auch nicht unbedingt die Spezialität der E-Reader (leider). Am sinnvollsten sind schon Texte (mit Grafiken dabei – ist schon i.O.), aber bei PDFs ist man eher ständig am rumzoomen und -schieben. Vielleicht kannst du die PDFs ins MOBI-Format konvertieren?! Da gibt es dann aber z.B. Hürden wie zwei-spaltige Texte…
      Und: ja, der Kindle wird als Laufwerk eingebunden und du kannst auch manuell etwas draufkopieren (z.B. auch MP3s…).
      Gruß, Gerald

      Edit: Eins noch: du musst den Kindle nicht laufen haben, wenn du die Mails sendest. Beim nächsten Verbinden mit dem WLAN bekommst du dann halt die Dokumente runtergeladen…

  5. Kommentar von Gabi
    11. Juli 2011, 23:58 Uhr.

    Kann ich mit Calibre eigentlich auch Bücher verwalten, die ich NICHT als e-book habe. Also könnte ich eine Datei anlegen, in der alle Bücher sind, die ich „echt“ im Regal stehen habe. Damit ich nicht durcheinander komme,was ich schon so gelesen habe in meinem Leben… Danke für die Hilfe! Gabi

    • Kommentar von Gerald
      12. Juli 2011, 08:31 Uhr.

      Hmm, du kannst leere Bücher selbst in der Calibre-Bibliothek anlegen, ja. Ich denke das hast du gemeint, oder? Einfach ein Buch anlegen und die Metadaten pflegen.
      Aber ich denke, ob das genau deine Vorstellung trifft, wirst du nur selbst prüfen können. Probier Calibre doch einfach mal aus – kostet ja nichts! 😉
      Gruß, Gerald

  6. Kommentar von John
    31. Dezember 2011, 21:47 Uhr.

    Der Sony Reader mit Touch-Funktion hat keine Extra Touch-Schicht über dem eigentlichen Display. Er funktioniert, genau wie der neue, in Deutschland leider noch nicht erhältliche Kindle Touch mit Infrarotabtastung, die im Rahmen ihren Sitz hat.

    Thalias Oyo, der eh schon ein schwaches Display hat, hat obendrauf noch eine die Darstellung noch einmal verschlechternde Touch-Schicht.

    • Kommentar von Gerald
      31. Dezember 2011, 22:09 Uhr.

      Ok. Ich kann es tatsächlich nicht genau(er) sagen. Leider habe ich keine Quelle (mehr) – bin mir aber sicher, dass ich das „damals“ so gelesen habe. Wie auch immer: letztendlich macht der Bildschirm jedenfalls sicher nicht den entscheidenden Unterschied zwischen Kindle und Sony Reader. Da hast du schon Recht.
      Danke dir für dein Kommentar. Und einen guten Rutsch! :) Feier lieber schön, als vor dem Computer zu sitzen… 😉

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