Tonstudio, Folge 4 – Looper

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Größtenteils sind Looper sicher eher für Live-Performances gedacht oder geeignet. Viele von euch haben sicher schon im Fernsehen oder bei Youtube & Co. einen Künstler gesehen, die einen Looper für einen Solo-Bühnenauftritt, bevorzugterweise mit Human-Beatbox-Fähigkeiten, benutzt haben…

Nein? Noch nie gesehen? Ehrlich? Dann schaut euch zum Beispiel mal diesen Auftritt von Beardyman an. Der bekommt auf diese Weise so gut wie jedes Musik-Genre perfekt zustande. Klasse, oder?

Trotzdem, meine ich, kann so ein Looper auch im „Studio“ den ein oder anderen guten Dienst leisten. Zum Beispiel, wenn man einfach mal kurz eine Loop-Idee arrangieren will. Einen Beat mit Basslauf oder Melodie. Ein Sequenzer kann da zu umständlich sein. Im Looper werden dann ganz einfach, während man den Loop in einer Dauerschleife hört, einzelne Spuren ständig überschrieben oder vervollständigt – bis das Ergebnis gefällt.

Wer Looper-Software für Linux sucht, wird einige finden. Wobei viele nur als Source-Paket bezogen werden können und daher selbst kompiliert werden müssen – mal mehr, mal weniger kompliziert.

Zwei ganz nützliche Programme können aber direkt aus den Standard-Paketquellen bezogen werden: SooperLooper und FreeWheeling. Beide möchte ich im Folgenden kurz vorstellen. Außerdem wird zum Schluss noch Sequent erwähnt. Das passt nicht direkt in die gleiche Schiene, besitzt aber ein Looper-Modul und liefert einfach so coole Ergebnisse, dass ich es einfach erwähnen muss.

FreeWheeling

FreeWheeling kann über die universe Paketquellen installiert werden:

sudo apt-get install freewheeling

FreeWheeling mit Interface für die PC-Tastatur

Der erste Blick auf die Anwendung ist zugegebenermaßen etwas erschreckend – die Oberfläche ist nicht wirklich ansprechend gestaltet. Die Aufgabe als Looper, gerade für den Live-Einsatz, dürfte FreeWheeling aber gut meistern. Leider ist der Link auf die Dokumentation kaputt, so dass der Einstieg wirklich etwas holprig ist.

Zunächst müssen natürlich die Jack-Verbindungen hergestellt werden (Stichwort: QjackCtl). Zum Beispiel kann das Mikrofon mit dem FreeWheeling-Eingang und der FreeWheeling-Ausgang mit dem System-Output verbunden werden. Die Beatbox-Variante also. Natürlich können aber beliebige Soundquellen benutzt werden.

Dann muss man einfach ein paar Tastenkürzel kennen. Denn mit Hilfe der Maus kann kaum mehr gemacht werden, als die einzelnen Spuren zu aktivieren und deaktivieren. Und eine richtige Dokumentation des Programms gibt es leider auch nicht. Zu allem Übel ist auch die Hilfe-Anzeige innerhalb des Programms für Deutsche nicht ohne weiteres erreichbar. Nein – die GEMA kann da ausnahmsweise nichts dafür.

Das Problem ist einfach, dass zum Aufrufen der Hilfe die Taste / vorgesehen ist und diese auf dem deutschen Tastatur-Layout nur über Shift ausgelöst werden kann. Shift hat aber wieder eine andere Funktion in FreeWheeling. Somit ist es eigentlich auch ratsam die Tastatur auf englisches Layout umzustellen – muss man leider so sagen. Danach kann man die Hilfe über die Minus-/Unterstrich-Taste der deutschen Tastatur aufrufen.

Per Tab kann man die Eingabe-Interfaces durchwechseln. Standardmäßig startet FreeWheeling mit einem Interface für ein Behringer BCF-2000. Auch ist eines zur Arbeit mit einem MIDI-Keyboard vorhanden. Zum ersten Kennenlernen ist aber sicher das Interface für die PC-Tastatur sinnvoll.

In diesem Modus drückt man einfach eine der dargestellten Tasten, worauf die Aufnahme für des Samples beginnt. Drückt man die Taste noch einmal, beendet man die Aufnahme. Danach wird das Sample endlos geloopt. Über die Taste kann das Sample dann aktiviert/deaktiviert werden. Die Taste u ist übrigens mit der Undo-Funktion belegt. Daher ist mir schleierhaft, wie man die U-Taste mit einem Sample belegen sollte.

Hilfe von FreeWheeling

Das Programm verfügt natürlich über viele weitere Funktionen. Viele sind über die deutsche Tastatur erreichbar, andere, wie schon erwähnt, nicht. Weil das Aufrufen der Hilfe so umständlich ist, habe ich euch hier mal einen kombinierten Screenshot der Hilfe-Seiten eingefügt. Darüber könnt ihr euch ja selbst einen Überblick verschaffen.

Mit ESC könnt ihr das Programm übrigens beenden.

Zum Schluss möchte ich, ohne zu sehr in die Tiefe gehen zu wollen, noch erwähnen, dass das Programm über die Konfigurationsdateien stark angepasst werden kann. Hier nur mal ein paar einzelne Hinweise dazu:

  • Alle Konfigurationsdateien liegen im XML-Format vor, und zwar an zwei Orten. Zunächst unter ~/.fweelin, das ist der bevorzugte Ort für Änderungen und auch der Ort, von dem zuerst gelesen wird. Und zum anderen unter /usr/share/fweelin.
  • Wer Interfaces hinzufügen, entfernen oder die Reihenfolge anpassen will, kann dies in der  Konfigurationsdatei interfaces.xml recht einfach tun. Ich denke das ist selbsterklärend.
  • Wer die Manpage zu FreeWheeling aufruft (da steht nicht wirklich viel), wird bzgl. Konfiguration auf eine Datei namens .fweelin.rc verwiesen. Teils auch bei Informationen, die man im Netz findet. Das scheinen mir aber veraltete Informationen zu sein. Vermutlich wurde irgendwann einmal diese Konfigurationsdatei in viele einzelne aufgebrochen.

Ein paar Informationen mehr zur Konfiguration findet ihr in einem englisch-sprachigen Artikel von LinuxJournal.

Die Bedienung mit dem MIDI-Keyboard war für mich übrigens nicht sonderlich begeisternd. Hat das MIDI-Keyboard Noten oder Signale (Drehregler), die das Programm nicht kennt, gesendet, ist FreeWheeling gleich abgestürzt. Zudem habe ich es nicht hinbekommen, die für die Loops verwendete Oktave zu verändern. Auch die Zusammenarbeit von FreeWheeling mit dem unterstütztend FluidSynth ist mir ein Rätsel geblieben. Falls hier jemand weitere Informationen hat, werde ich gerne den Artikel erweitern.

SooperLooper

SooperLooper ist bei Ubuntu Studio bereits vorinstalliert. Kann aber in anderen Installationen auch ganz einfach über universe Paketquellen nachinstalliert werden:

sudo apt-get install sooperlooper

Ein Loop bestehend aus zwei Samples in SooperLooper

Durch die relativ klar verständliche Oberfläche fällt der Schnell-Einstieg recht einfach. Natürlich gibt es viele Details, die ich bei aber weitem auch nicht alle kennengelernt und entdeckt bzw. verstanden habe. Gerade das Synchronisieren der Samples scheint eine komplizierte Sache (wofür das Programm aber sicher nichts kann).

Nur ein paar kurze Stichpunkte:

  • Die Oberfläche wird für jede Loop-Spur vervielfacht.
  • Über record könnt ihr etwas zum Loopen aufnehmen. Mit overdub könnt ihr ein vorhandenes Sample „überschreiben“.
  • SooperLooper bietet auch eine Scratch-Funktion, die aber im aktuellen Stadium sehr bescheiden ist. Daran wird wohl noch gearbeitet.
  • Über Rev, 1/2x, 1x, 2x kann das Sample rückwärts bzw. mit halber, ganzer oder doppelter Geschwindigkeit abgespielt werden.
Im Gegensatz zu FreeWheeling wird SooperLooper übrigens noch aktiv weiterentwickelt…

Sequent

Die Oberfläche von Sequent

Da Sequent (oder Loomer Sequent) ein kommerzielles Produkt ist, das zudem nicht direkt zum Thema passt, möchte ich es nur am Rande aufführen. Ich kann mir das einfach nicht verkneifen, weil es schon faszinierend ist, was da so rauskommt.

Das Programm kann kostenlos getestet werden. Welche Einschränkungen dabei in Kauf genommen werden müssen, habe ich nicht genau herausgefunden. Wer das Produkt kauft bekommt einen Lizenzschlüssel für die heruntergeladene Demo-Version. Eine Installation ist nicht notwendig.

In Sequent könnt ihr verschiedene Module und Effekte hintereinanderschalten. Darunter ist eben auch ein Looper-Modul, das aber einen anderen Zweck hat, wie die zwei oben genannten, reinen Looper.

Hört einfach mal das folgende Beispiel an, das ich bei SoundCloud hochgeladen habe:

Ihr hört dort zunächst eine kleine Drum-Sequenz ohne Einsatz von Sequent. Dann dieselbe Sequenz jeweils durch ein Programm von Sequent geschleift. Die Namen der benutzen Programme (eigene Einstellungen habe ich nicht gemacht) könnt ihr aus meinen Kommentaren lesen.


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5 Kommentare zu Tonstudio, Folge 4 – Looper

  1. Kommentar von Yggdrasil
    7. Mai 2012, 12:33 Uhr.

    Hallo, ich habe deine Tonstudio-Artikel mit Interesse verfolgt. :-) Die Vorstellung von ZynAddSubFX war für mich besonders wichtig, weil das Programm wesentlich weniger Systemressourcen verbraucht als Qsynth oder Timidity (Wenn man nicht alle Kanäle mit Instrumenten belegt). Auf meinem alten Laptop eine spürbare (Lüfter ;)) Verbesserung.

    Die GUI von FreeWheeling scheint ja wirklich der Horror zu sein. Da du dich da durchgebissen hast, will ich mal auf das gnadenlos unterdokumentierte Programm Keykit hinweisen.
    Die Gui des Programmes ist recht ungewöhnlich, aber besitzt einige Funktionen, die ich von keinem anderen Programm kannte. (Oberfläche muss selber mit den Tools gefüllt werden, Untermenüs können auf die Oberfläche gezogen werden, damit man sie schnell erreicht)
    Aktuellste Version ist auch unter Linux kompilierbar. Damit man in der Alsa-Variante auch was hört muss man im Programm mit dem Port-Tool einen Out-Kanal öffnen und diesen beispielsweise mit aconnect mit dem nächsten Programm verbinden.

    • Kommentar von Gerald
      7. Mai 2012, 12:38 Uhr.

      Vielen Dank – für dein nettes Feedback zu meiner Tonstudio-Serie, aber natürlich auch für den Tipp. Ich werde mir Keykit mal bei Gelegenheit reinziehen – der Screenshot sieht schonmal heftig aus… :)
      Gruß, Gerald

  2. Kommentar von sebastian
    14. Mai 2012, 10:59 Uhr.

    hallo, deine tonstudio serie gefällt mir gut.
    hast du schon lmms http://lmms.sourceforge.net/ getestet?
    grüße
    sebastian

    • Kommentar von Gerald
      14. Mai 2012, 12:13 Uhr.

      Danke dir, Sebastian. Nein, habe ich mir noch nicht angesehen – hatte bisher keinen Bedarf. Aber was nicht ist…
      Gruß, Gerald

      • Kommentar von sebastian
        14. Mai 2012, 12:48 Uhr.

        linux multimedia studio hat mir als linux neuling gut gefallen, da man ohne jack arbeiten kann. ausserdem ist es das einzige mir bekannte linux programm welches von haus aus mit vst-plugins umgehen kann.

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