Tonstudio, Folge 6 – DIN is noise

Veröffentlicht am

Klangerzeuger sind immer nützlich. Auch wenn man schon einige im Vorrat hat, findet man immer wieder weitere, die einen meist kleinen aber feinen Unterschied machen. So ist es auch mit DIN is noise. Das Programm bietet einfach eine ganz andere Herangehensweise und liefert ganz eigene Ergebnisse. So kann DIN das Spektrum der Möglichkeiten stark verbreitern und ist definitiv nicht einfach noch ein Synthesizer in irgend einer langen Liste…

Worum geht’s

dinisnoise-0DIN is noise, programmiert von S. Jagannathan alias „Al Dinja“, einem in London lebenden gebürtigen Inder, ist so ziemlich das verrückteste Stück Software, das man sich zur Klangerzeugung aussuchen kann.

Die Bedienung ist recht kompliziert. Wer aber den Einstieg einmal geschafft hat, der wird sich über die kreativen Möglichkeiten wie ein kleines Kind freuen und fast zwangsläufig einige Zeit mit dem Programm beschäftigen.

I did have lots of plans for that day…but they all got scrapped and next 7 hours I spent somewhere between imagination and meditation.Louigi Verona (Eintrag im Gästebuch von DIN is noise)

Gerade für Live-Situationen kann man mit DIN und etwas Übung tolle und ungewöhnliche Klänge zaubern.

Nachdem DIN zunächst nur für Linux verfügbar war, gibt es nun auch Builds für Windows und Mac OS X. Während die Linux-Version frei ist, handelt es sich bei den anderen beiden zunächst nur um 30-Tage-Testversionen. Nach Ablauf der Testtage, muss man dann eine Lizenz kaufen. „Frei“ heißt in dem Fall aber übrigens auch, dass der Quellcode – unter der GPL 2.0 Lizenz – freigegeben ist.

Als Voraussetzung für die Verwendung unter Linux gilt, dass der Jack-Server installiert werden muss. Außerdem zeichnet DIN seine Oberfläche mit OpenGL, weshalb auch eine gute Grafikperformance, und somit auch ein passender Hardware-Treiber installiert sein sollte.

Installation

DIN kann ab Oneiric ganz einfach über die Paketverwaltung installiert werden. Dazu muss das PPA des Entwicklers zu den Paketquellen hinzugefügt werden:

sudo add-apt-repository ppa:dinisnoise/din
sudo apt-get update
sudo apt-get install din

Bitte beachtet, dass fremde Paketquellen unter Umständen ein Sicherheitsrisiko darstellen können. Wenn ihr euch nicht wirklich bewusst seid, was das bedeutet, dann lest bitte die Hinweise dazu im ubuntuusers.de-Wiki.

Einstieg in die DIN-Welt der Drones

Das ganze Programm hier zu erklären wäre natürlich vollkommener Unsinn. Und, ehrlich gesagt, ich könnte das auch gar nicht. Trotzdem möchte ich euch aber ein paar Tipps geben, wie ihr den Einstieg vielleicht etwas einfacher hinbekommt.

dinisnoise-1

DIN in Aktion

Ein Hinweis, der mir anfangs sehr geholfen hat, ist der zum Zurücksetzen des Programms auf die „Werkseinstellungen“. Denn das Programm speichert den Zustand automatisch und so hilft es nicht, das Programm einfach neu zu starten, wenn man etwas verbogen hat. Wer noch einmal von neuem beginnen möchte, muss im ausgeschalteten Zustand den Ordner ~/.din löschen oder zumindest umbenennen.

Nun aber los. Zuerst den Jack-Server starten (darauf gehe ich hier jetzt nicht näher ein), dann DIN. Dazu einfach im Terminal din aufrufen (einen Menüeintrag gibt es alleine durch die Installation erst einmal nicht).

Das Programm startet zunächst im Modus keyboard-keyboard. Hier könnte ihr mit den unten angezeigten Tasten schonmal die ersten Töne erzeugen, was natürlich bis auf die ungewöhnliche optische Darstellung recht unspektakulär ist.
Wechselt dann zum microtonal-keyboard, indem ihr einmal die Zifferntaste 1 drückt. Hier seht ihr nun per Default drei Oktaven einer Klavier-Tastatur (naja, so ähnlich halt). Wenn ihr nun mit der Maus über diesen Bereich fahrt, hört in direkt die Lead-Voice. Je höher der Mauszeiger, desto lauter. Links tiefere Frequenzen, rechts höhere – praktisch ohne Grenzen. Mit der Taste q könnt ihr dann an der Position des Mauszeigers ein Drone erzeugen, das dann für konstantes Surren sorgt. Je mehr Drones, desto kräftiger und komplexer der Klang.

Was für die ersten Schritte außerdem wichtig ist:

  • mit a bzw. d kann man sich auf der Skala nach links bzw. nach rechts bewegen.
  • mit der Taste e wird das Drone unter dem Mauszeiger aufgenommen und kann verschoben werden. Taste erneut drücken, um das Drone wieder abzusetzen.
  • mit der Taste c wird das Drone unter dem Mauszeiger entfernt.
  • mit der Maus können mehrere Drones markiert werden (wie gewohnt per Klicken und Ziehen).
  • mit Tab schaltet man den command-Modus ein bzw. aus. Im command-Modus können Befehle abgesetzt werden. Auf der Projekt-Seite gibt es eine Befehls-Übersicht.
  • mit Space kann die Lead-Voice aus- bzw. eingeschalten werden.
  • Weiter geht’s dann mit 8 zum Curve-Editor (und mit 1 wieder zurück…), um den Klang zu verändern. Mit f können hier Knoten zum Verschieben angefasst und wieder losgelassen werden.
  • Der Curve-Editor bietet im Detail viele Möglichkeiten, wie z.B. Knoten-Verschiebungen, die aufgenommen und automatisch abgespielt werden können. An dieser Stelle möchte ich aber auf das DIN Drones Tutorial verweisen, das die wichtigsten Features vorstellt.

Grundsätzlich bietet der Vimeo-Account von Al Dinja mit einigen Tutorials eine gute Hilfe, auch wenn die Sprach-Qualität der Screencasts oftmals nicht sonderlich gut ist und sich die Tutorials meist auf eine alte Programmversion beziehen.

Weiterer Ausblick

Natürlich bietet DIN noch viel mehr Funktionalität. Da ich das Programm selbst noch nicht bis in alle Tiefen erforscht und begriffen habe, bietet es auch einiges mehr, als ich beschreiben könnte. Trotzdem ein paar Stichpunkte:

  • Vielfältige Möglichkeiten, den Klang zu formen und zu beeinflussen (siehe Modulation, Gater, Delay usw.).
  • MIDI-Support: einfach MIDI-Eingabegerät anschließen und über Jack mit DIN verbinden. Ggfs. braucht ihr eine Alsa/Jack-Bridge (siehe Paket a2jmidid), da DIN keinen Alsa-MIDI-Support bietet (zumindest nicht per Default…).
  • Beliebige DIN-Kommandos mit MIDI-Schiebe- bzw. Drehreglern verknüpfen (Stichwort start-end-Patch).
  • Eine IRC-Schnittstelle (nur in der Linux-Version), mit der andere Leute sich am Sound beteiligen können. Beachtet hier allerdings die Sicherheitshinweise, die im FAQ-Eintrag zu dem Thema zu finden sind.

Jetzt ihr!

Eigentlich hatte ich vor, den Artikel mit einem oder gar mehreren Demo-Videos zu garnieren – scheiterte aber kläglich daran, Screencast mit OpenGL- und Jack-Unterstützung hinzubekommen… Anyway, das Material von Al Dinja sollte euch ja schon einen guten, ersten Eindruck bieten.

Vermutlich ist es zuspät für einen Disclaimer – für Warnungen vor DIN is noise als Zeitgrab… Seid ihr genauso angetan von dem netten Tool? Schreibt mir hier doch ein Kommentar.
Sicher freut sich auch Al Dinja über Feedback, z.B. bei Twitter oder Facebook, oder gar eine kleine Spende.

Projekt-Seite: http://www.dinisnoise.org

Falls euch der Artikel gefallen hat und/oder ihr mehr zum Thema Tonstudio lesen wollt, dann seht euch doch mal die vorigen Teile dieser Serie an:


Dieser Artikel wurde in der/den Kategorie(n) OSBN, Planet-U, Praxis veröffentlicht und mit den Tags , , , versehen.

4 Kommentare zu Tonstudio, Folge 6 – DIN is noise

  1. Kommentar von Ikem
    24. März 2014, 14:41 Uhr.

    Ich will nicht extra JACK installieren, um dieses Tool benutzen zu können.

    Nachher zankt sich das mit PulseAudio.

    • Kommentar von Gerald
      24. März 2014, 14:50 Uhr.

      Wegen mir musst du es nicht installieren… 😉 Wobei es sich schon lohnt, wenn man viel in dem Bereich machen will.

  2. Kommentar von Lip
    26. November 2015, 15:56 Uhr.

    Danke für Deine Artikel besonders über DIN und auch die übrigen Tonstudio-Folgen. Version 10 von DIN ist draußen. Ich werde aber erst einmal mit der V. 5.2.1. experimentieren. Ohne Deine Einführung hätte ich wohl DIN wieder gelöscht.

    Beste Grüße

    • Kommentar von Gerald
      26. November 2015, 16:05 Uhr.

      Lieben Dank für dein Feedback! Gruß, Gerald

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>